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Hamlet - Eine Rezension

Erstellt von Carolina Wedekind, Svenja Gößeler, Friederike Stelter (nach Anregungen aus der 11C) |

Kennen Sie den Prinzen von Dänemark? Noch nicht? An zwei Abenden hattet ihr/hatten Sie die Chance, ihn in der Elsa kennenzulernen. Der junge Prinz Hamlet versucht den Mord an seinem Vater zu rächen.

Ob ihm das gelingt?

Die Antwort darauf gab das geniale Schauspiel der „ebs on stage“. Die Theater-AG hat unter der Regie von Frau Manegold auf ein Neues mit einer grandiosen Inszenierung überzeugt, dieses Jahr mit Shakespeares „Hamlet“. Altbekannt, von der Elsa jedoch völlig neu aufgerollt. Zwar werden jährlich weltweit Inszenierungen des Stückes präsentiert, doch diesmal war unsere Theater-AG an der Reihe, die Geschichte des Prinzen auf spannende, emotionale und faszinierende Weise zu interpretieren.

Bei „Hamlet“ geht es um den Titel gebenden Thronprinzen Dänemarks, welcher von dem Geist seines verstorbenen Vaters heimgesucht und darüber in Kenntnis gesetzt wird, dass dieser von seinem eigenen Bruder Claudius ermordet worden ist, damit er sich den Thron unter den Nagel reißen konnte.

Hamlet beschließt daraufhin, sich an seinem Onkel Claudius zu rächen.

Dadurch, dass Hamlet die nötigen Beweise fehlen, kommt er auf die Idee, sich „wahnsinnig“ zu stellen, um die komplette Wahrheit zu erfahren…

„Let Me Entertain You“ war der Name des Eröffnungssongs von Jemima, alias Hamlet, - und dieser Titel war Programm!

Die durchaus düstere Atmosphäre des Stückes wurde durch Licht- und Soundeffekte untermalt, ebenso von Live-Gesangseinlagen, welche die Zuschauer magisch in ihren Bann gezogen und dem Stück dadurch das gewisse Extra gegeben haben. Trotz dessen gab es auch Szenen mit komödiantischem Charakter, wobei es der Theater-AG gelang, genau die richtige Balance zwischen Humor und Leid zu finden und damit die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten. Auch gaben etliche Überraschungsmomente dem Stück einen neuen „Twist“, welcher die Darstellung der Elsa besonders machte. Es wurde gelacht, geweint, getanzt und sogar gesungen, eine „Gefühlsachterbahn“ war also vorprogrammiert. Auch das kreativ gestaltete Bühnenbild und die Kostüme trugen dazu bei, die Zuschauer*innen in die richtige Stimmung zu versetzen.

Besonders hervorzuheben ist die Leistung der Schauspieler*innen, welche sich von gelegentlichen technischen Problemen oder Texthängern überhaupt nicht aus der Ruhe bringen ließen. Vor allem die emotionsgeladene Darbietung von Hamlet (Jemima Rosinski, 12. Jahrgang) hat die Zuschauer gefesselt. Sie steigerte sich so sehr in den Wahn dieser Figur hinein, dass es zeitweise wirkte, als verkörpere sie selbst Hamlet und spiele ihn nicht nur. Ophelia (Ai-Lin Chor, 10C) war Hamlets naive, träumerische und hingebungsvolle ehemalige Geliebte, die durch ihre mädchenhafte Art die Opferrolle glaubwürdig machte. So konnte sogar die Leitfrage dieses Stückes beantwortet werden: „Sein oder Nicht-Sein?“! Ihr Bruder Laertes (Sophie Fetter, 10A) legte innerhalb des Stückes eine 180°-Wendung hin, was schauspielerisch ausdrucksstark vermittelt wurde. Der neue König Claudius (Carolin von Salzen, 10B) wurde ebenfalls perfekt in seiner arroganten und hinterhältigen Haltung gegenüber Hamlet und seiner Frau Gertrud (Ronja Steiner, 11A) dargestellt. Letztere versuchte hilflos, Hamlets Liebe zurückzugewinnen. Ihr Charakter spiegelte sich authentisch in ihrer „stöckeligen“, unsicheren Gangart, womit sie sehr überzeugend auf das Publikum wirkte. Für Unterhaltung sorgten Rosenkranz (Daria Hasse, 11A) und Güldenstern (Gero Wesche, 12. Jahrgang), die vor allem mit viel Situationskomik und ihrer expressiven Mimik überzeugten. Horatio (Edwin Khirsivara, 10C) stand mit seiner starken und gefestigten Ausstrahlung Hamlet als bester Freund zur Seite und machte sich damit zum Sympathieträger des Stücks. Nicht weniger glaubhaft und zugleich souverän in der Spielweise war auch Kanzler Polonius (Marlene Emilius, 11A), der am Ende durch seine Rolle als Hofspitzel einen vorzeitigen Tod auf der Bühne erlitt.

Für einige Lacher aus dem Publikum sorgten die lebhafte und witzige Spielweise des Engels der Offenbarung (Bennet Schulz), der englischen Gesandten (Marlene Emilius, 11A und Bennet Schulz, 9B), des Totengräbers (Laura-Anna Winnitschenko, 10B)  und der Lemuren (Magdalena Lada, 10A und Gero Wesche, 12. Jahrgang). Der Priester (Regie) hatte einen kurzen Auftritt, fast wie Alfred Hitchcock, der in seinen Filmen einmal kurz die Bildfläche betrat, um im nächsten Moment schon wieder verschwunden zu sein.

Gleichwohl hinterließen die Boten (Jonas Voltmer, 12. Jahrgang) und Wachen (Jonas Voltmer, 12. Jahrgang und Magdalena Lada, 10A und Marlene Emilius, 11A) einen bleibenden Eindruck, obwohl auch sie nur kurz auf der Bühne waren.

Abschließend sollte unbedingt noch ein Blick auf die Rolle der Sängerin (Franziska Wittmann, 11D) geworfen werden: Sie wirkte als Seelenbarometer, sowohl Hamlets als auch Ophelias. Atmosphärisch verlieh sie dem Stück durch ihre empathische Interpretation eine symbolische Tiefe, die insbesondere mit dem unwirklichen und traurigen Gesang das Leiden Ophelias deutlich spürbar machen konnte. Vermutlich hat die Leitmelodie den einen oder anderen Zuschauer noch eine ganze Weile auf dem Nachhauseweg begleitet.
„Sehen oder nicht sehen“ – das stellt sich nun als Frage. „Hamlet“ ist definitiv einen Besuch wert gewesen. Rachegelüste, politische Intrigen, Neid, Verlust, Verrat, Eifersucht, Wut, Akzeptanz und Selbstverwirklichung.

Davon hat euch oder Sie sicher etwas angesprochen, oder?

„Hamlet“ hat es mit diesem breiten Spektrum an Themen geschafft, sowohl Jung als auch Alt in seinen Bann zu ziehen. Gesang, Schauspiel, Emotionen – und spätestens, wenn die Lemuren durch die Zuschauerreihen schleichen, fühlt man sich wie ein Teil des Stückes.

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