Zum Inhalt springen

Am Unterricht im Fach "Werte und Normen" nehmen alle Schülerinnen und Schüler teil, die keiner Religionsgemeinschaft angehören oder einer solchen, für die an der Elsa-Brändström-Schule kein Religionsunterricht erteilt werden kann. Am Unterricht im Fach Werte und Normen nehmen außerdem diejenigen Schülerinnen und Schüler teil, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben.

Obwohl ein gewisser minimaler Grundkonsens über geltende Normen und Werte in der modernen Gesellschaft sicherlich unterstellt werden kann, so ist doch unübersehbar, dass sich unsere Gesellschaft und Kultur einschließlich ihrer religiösen Herkunftsprägung dramatisch wandelt und pluralisiert. Prozesse wie Globalisierung, mediale Vernetzung  und Migration beschleunigen die Umwälzung überkommener gesellschaftlicher Strukturen derart, dass alte Sicherheiten und stabile Orientierungen zunehmend verloren gehen. Die Folgen dieser Prozesse für die einzelnen hat man als "neue Unübersichtlichkeit" bezeichnet und will mit dieser Formulierung zum Ausdruck bringen, dass es zunehmend schwieriger für die einzelnen wird, sich im unübersichtlichen Gelände konkurrierender gesellschaftlicher, kultureller und religiöser  Werte und Normen zu orientieren. Wie können Verbindlichkeiten und Verpflichtungen in Institutionen aufgebaut oder aufrechterhalten werden, die ständig zerbrechen oder immer wieder umstrukturiert werden? Wie bestimmen wir, was in uns von bleibendem Wert sein soll, wenn wir in einer ungeduldigen Gesellschaft leben, die sich nur auf den unmittelbaren Moment konzentriert? Wie finden Kinder und Jugendliche in einer solchen Erwachsenenwelt zu einer eigenen stabilen Orientierung?

Das Fach "Werte und Normen" trägt dieser Unübersichtlichkeit und der daraus hervorgehenden Schwierigkeit des einzelnen, sich zu orientieren, in besonderem Maß Rechnung. Es bietet den Schülerinnen und Schülern durch kritischen Vergleich von Werten und Normen unterschiedlicher Kulturen und Zeiten das Wissen, um eigene Wertorientierungen zu finden und vernünftig zu begründen; zugleich sollen  Verständnis für andere und Toleranz gegenüber abweichenden Orientierungen geweckt werden. Pluralismus und Empathie sind daher zentrale Grundsätze des Unterrichts und sollen auch praktisch in Entscheidungs- und Handlungssituationen, die sich den Schülerinnen und Schülern in der heutigen Gesellschaft stellen, eingeübt werden. Wir wollen aber auch die Fähigkeit zur Kritik entwickeln, wobei unter Kritikfähigkeit zweierlei verstanden wird: die faire, vernünftig begründete Kritik abweichender Orientierungen anderer sollte mit der Bereitschaft einhergehen, sich auch selber kritisieren zu lassen bzw. sollte die Fähigkeit einschließen, sich selbst und die eigenen Überzeugungen auch in Frage zu stellen.  
Um diese Ziele zu erreichen, müssen sowohl Wahrnehmungsfähigkeit und Verständniskompetenz  als auch Diskussions- und Urteilsfähigkeit geschult werden.

Im Folgenden findet sich eine Auflistung der unterrichtlichen Schwerpunkte in den verschiedenen Jahrgangsstufen, die sich aus den geltenden Kerncurricula (Sek I) und den Rahmenrichtlinien (Sek II) ableiten:

Leitthemen Jahrgangsstufe 5/6Leitthemen Jahrgangsstufe 7/8Leitthemen Jahrgangsstufe 9/10Leitthemen Qualifikationsphase
Umgang mit Erfolg und MisserfolgVerantwortung für Natur und UmweltWeltreligionen und WeltanschauungenDie Frage nach dem Menschen
Regeln für das ZusammenlebenFreundschaft, Liebe und SexualitätEntwicklung und Gestaltung von IdentitätDie Frage nach dem richtigen Handeln
Zukunftswünsche und ZukunftsängsteSucht und AbhängigkeitAltern, Sterben, TodDie Frage nach der Wahrheit
Begegnungen mit FremdenMenschenrechte und MenschenwürdeEthische Grundlagen für KonfliktlösungenDie Frage nach der richtigen Ordnung
Monotheistische WeltreligionenLeben in einer christich geprägten KulturWahrheit und Wirklichkeit 
JahrgangSchulbuch
5/6LebensWert. Unterrichtswerk für Werte und Normen in Niedersachsen. C.C. Buchners Verlag, Bamberg 2011
7/8Sehen-werten-handeln. Ethik Jahrgangsstufe 7 – 10. Bayerischer Schulbuch Verlag, München 2004
9/10Fair Play. Ethik 9/10. Schöningh Verlag, Braunschweig u.a.  2008
11/12 (GOS)Standpunkte der Ethik. Lehr- und Arbeitsbuch für die Sekundarstufe II. Schöningh Verlag, Braunschweig/Paderborn/Darmstadt 2005

Seit 2011 ist das Fach "Werte und Normen" in Niedersachsen als schriftliches Abitur-prüfungsfach auf grundlegendem Anforderungsniveau und als mündliches Abiturprüfungsfach zugelassen. Aus schulinternen Gründen kann "Werte und Normen" an der Elsa-Brändström-Schule zurzeit jedoch noch nicht Abiturprüfungsfach sein.

In "Werte und Normen" wird sowohl in der Sekundarstufe I als auch in der Qualifikationsstufe (Sek II) nur eine Klassenarbeit/Klausur im Halbjahr geschrieben. Den mündlichen und anderen fachspezifischen Leistungen kommt daher eine größere Bedeutung zu als der einmaligen schriftlichen Leistungsüberprüfung im Halbjahr.

In der Qualifikationsstufe (Sek II) wird die mündliche Leistung in der Regel mit 60% gewichtet. Die Klausur geht in der Regel mit 40% in die Gesamtnote ein.
Zu den mündlichen und anderen fachspezifischen Leistungen zählen u. a.:

  • Beiträge zum Unterrichtsgespräch
  • Mündliche Überprüfungen
  • Unterrichtsdokumentation (z. B. Protokolle, Mappe, Heft, Referat)
  • Szenische Darstellungen